Venedig



Auf den Wassern der endlos weiten Leere
entstandest du, mein Venedig, die Königin der Meere.
So nannte man dich einst, du schöne Stadt,
wo Dogen regierten an Könige Statt.

Schwerbewaffnet die Galeeren
ehrfurchtsvoll der Krieger Schar,
kämpftest du für Gold und Ehren,
Tag für Tag und Jahr für Jahr.

Mit den edelsten Gewürzen und schwer mit Gold beladen,
mit Edelsteinen, zahlreicher noch als Tau,
kamen deine Kaufleute von fernen Gestaden
und schmückten dich, Venedig, der Adria schönste Frau.

Deine Häuser, es sind Prunkpaläste
wie Perlen an einer goldnen Schnur,
ziehen sie sich gleichsam wie Geäste
entlang der Kanäle Wasserflur.

Doch so wie man dich einst dem Meer entrungen
kehrst du nun nach dort zurück,
und den Alten wie den Jungen
entreißt man dich Stück für Stück.

So wie Schönheit und Ruhm nun mal verbleichen
und den Reichtum Rost und Motte frisst,
so wirst auch du letztendlich weichen
und mit der Zeit man dich vergisst.

© Gerd Schmitt 2018