Das Wesen der Kunst


Was ist Kunst?
Was  bringt einen Menschen dazu sich mit Kunst zu beschäftigen?
Kunst ist zum Teil ein Produkt der Kreativität, der Ausdruck von Gefühlen, von Wünschen, Gedanken und Vorstellungen, aber auch ein Produkt bewusster und unbewusster Wahrnehmung. Kunst ist eine der Arten, mit denen sich das Ergebnis von Denken und Gefühlen präsentiert.

Kunst zeichnet somit den Weg der Gefühle und Gedanken auf, den der Mensch bis zu diesem Punkt gegangen ist. Ein Kunstwerk ermöglicht es somit, den Weg auch zurückzugehen - back to the roots - zurück zu dem Ursprung, zu der universellen Wahrheit. Auf dem Weg zurück müsste man demnach alle Geheimnisse, alles Wissen und alles jemals Erlebte wiederfinden können. 

Der Musik, so sagt man, liegt ein hochkompliziertes Muster der Mathematik zugrunde. Eine gewisse Abfolge von Tönen beschreibt eine Wirklichkeit in der gleichen Weise, wie es die mathematische Formel praktiziert. Somit ist der Ausdruck in der Kunst letztendlich nur ein anderer Ausdruck, eine andere Art, eine Wirklichkeit zu beschreiben. Das Kunstwerk präsentiert eine Wirklichkeit, indem es mit Formen und Farben die mathematische Formel in Gefühle überträgt. 

Ist ein Kunstwerk demnach eine komplizierte mathematische Formel - vielleicht die Weltformel, nach der Albert Einstein zu suchen begann, der Grundeckstein der einheitlichen Feldtheorie, von der man erhofft, das Universum umfassend erklären zu können?

Wenn also alles auf eine mathematische Formel reduzierbar ist, Gefühle, Wahrnehmungen und Denken, dann kann der Mensch demnach visuell und akustisch, durch Bild und Ton gefühlsmäßig das Universum begreifen lernen: Nicht mit dem Geist rechnen, sondern mit dem Geist fühlen. 

Kunst ist Haptik auf geistiger Ebene.

Universelle Wahrheiten wie „Im Nichts findet sich das universelle Bewusstsein”, von Wissenschaftlern über Jahrhunderte mühsam erarbeitet, waren Jahrtausende vorher schon Mystikern bewusst. Wo Physik versagt, beginnt Metaphysik.

Kunst ist eine Ausdrucksform von bewussten und unbewussten Gefühlen, aber auch von bewusstem und unbewusstem Wissen. Kunst ist einerseits eine Form von Botschaft andererseits auch ein Fanal der eigenen Existenz gegenüber der restlichen Welt. Ist Kunst somit ein Ausdruck von Ergebnissen der Metaphysik?

Wie wird Schönheit empfunden?

Was ist Schönheit? Kommt „Schönheit“, ein Begriff, der von Betrachtern der Kunst verwendet wird, aus dem Bereich der Metaphysik? Schönheit wird von jedem anders empfunden. Ein Kunstwerk ruft nicht bei jedem Betrachter die gleichen Empfindungen hervor. Warum aber findet der eine Betrachter eines Kunstobjektes dieses als schön, der andere ignoriert dasselbe oder findet es sogar abstoßend?

Die Aussagen oder Empfindungen der Kunst sind oft widersprüchlich, weil sie von jedem anders empfunden werden. In der Physik gibt es keine zwei Wahrheiten, die sich widersprechen, in der Quantenphysik wie auch in der Metaphysik schon. In der Physik kann „Nichts” nicht „Alles” enthalten, wohl aber gilt dies in der irrealen Welt, die eben nur metaphysisch begreifbar ist.

Kunst muss also in der Metaphysik angesiedelt sein.

Kunst also die Sprache der irrationalen Welt?
Kunst das Esperanto des Universums?
Kunst, die Sprache, um die Wirklichkeit unwirklicher, irrealer Dimensionen beschreiben zu können?
Kunst, um geistige Dinge sichtbar zu machen?

Visueller und auch akustischer Schönheit muss ein Grundmuster zugrunde liegen. Zum Beispiel empfindet kein Mensch Töne ab einer bestimmten Frequenz und Lautstärke als schön. Der Empfindung von Schönheit steht also nur eine gewisse Bandbreite zur Verfügung. Die Kombinationsvielfalt innerhalb dieser Bandbreite ist aber so gewaltig, dass sie praktisch unendlich ist!

Warum kann der Mensch Schönheit bewusst wahrnehmen und empfinden?

Wenn ein Mensch Schönheit empfindet, sei es akustisch oder visuell, dann „schaut oder lauscht er versunken”. Sein Geist, entspannt und ausgespannt von der ihn umgebenden Wirklichkeit, gibt sich nun einer anderen Wirklichkeit hin. Diese Wirklichkeit ist manchmal aktiv, das heißt, sie wirkt auf den Geist ein, oder passiv, wenn der Betrachter sich in eine selbst gestaltete Traumwelt versinken lässt. 

Begibt sich der menschliche Geist beim Betrachten eines Kunstobjektes, bei dem Konsum von Schönheit, auf den Weg in eine irreale Welt?

Der menschliche Geist muss sich erst von den Umwelteinflüssen weitgehendst freimachen, um in eine Traumwelt eintreten zu können. 

„Hör auf zu reden und zu denken, 
dann gibt es nichts, was du nicht wissen kannst.” 

Dieser Rat eines längst verstorbenen Zen-Patriarchen aus dem 6. Jahrhundert zeigt deutlich, dass unser Geist durch die alltäglichen Reize überflutet und überlagert ist und somit nicht in der Lage, Reize aus einer irrealen Welt zu empfangen.

Fast keinem Menschen gelingt es, fünf Minuten an Nichts zu denken. Ständig ist unser Geist in Bewegung, rast von einem Gedanken zum anderen und fegt durch die verschiedenen geistigen Räume unserer realen Welt. Erst wenn wir es geschafft haben, die ständig nachdrängenden Gedanken zur Ruhe zu bringen, durchqueren wir ein geistiges Niemandsland, bis wir nach einer langen Reise durch eine absurde Gedankenwelt das Ziel erreichen, das Nichts. In seinem Zentrum befindet sich das universelle Bewusstsein - so zumindest wird es von Mystikern der verschiedenen Zünfte erklärt.

Warum benutzt man für die Meditation akustische als auch visuelle Reize?

Farben, Formen und auch Töne sensibilisieren den Geist, norden ihn auf einen ganz bestimmten Weg ein und eröffnen ihm Welten, in die der Körper nicht gelangen kann. So erfährt der Geist mittels dieser Dinge Gedanken und Gefühle, die mit Worten nicht ausdrückbar sind, in einem Nu Erkenntnisse, für die er sonst Jahre wenn nicht Jahrzehnte benötigt hätte.

Kunst somit eine Schnittstelle zu einem universellen Datenpool?
Eine Schnittstelle des Universums für den Geist?
Kunst als Leitstrahl und Tor zwischen den Dimensionen?
Kunst als Mittler zu unserem Unterbewusstsein?
Kunst - eine metaphysische Datenautobahn für Gedankensurfer?

Das ist mein Ziel:

Kunst zu schaffen, als Wegbereiter für den Geist des Menschen, als Tor zum Universum, als Leitstrahl des Geistes, als Schlüssel zur Überbrückung der Dimensionen. 

Alle diese Dinge mag der Betrachter nur unbewusst erfahren haben und sagen:

„Dieses Kunstwerk ist schön!”


© Gerd Schmitt 2018